Die Zukunft der Landwirtschaft ist auch die Zukunft der Schweiz

Die oft gescholtene Schweizer Landwirtschaft ist der Schlüssel für die Bewältigung der grossen und aktuellen Herausforderungen. Wir tun gut daran, die Landwirtschaft zu wertschätzen und die Landwirte in der bevorstehenden Transformationsphase massiv zu unterstützen.


Die unterschätzte Bedeutung der Landwirtschaft

Die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft scheint klein, wenn man nur ihren Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) von weniger als 1 Prozent betrachtet. Landwirtschaftliche Betriebe können, weit mehr als oft angenommen, zur lokalen Entwicklung, zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zum Umweltschutz und zum Klimawandel sowie zur Ernährungssicherheit beitragen.


Mehr noch: Die hiesige Landwirtschaft ist der eigentliche Schlüssel für eine sichere Wasser-, Lebensmittel- und Energieversorgung und auch der wichtigste Schlüssel zur Reduktion der Krankheitskosten. Im heutigen Blogbeitrag beleuchte ich insbesondere das Thema Krankheitskosten etwas näher.



Wertvolle Böden führen zu wertvollen Lebensmittel und zu gesunden Menschen

Allein über gesunde Lebensmittel und gesunde Menschen könnte man Bücher schreiben. Der Mensch ist das, was er isst. Und im Apfel kann nur das drinstecken, was vorher im Boden war. Und nichts kann in der Schafsmilch sein, was nicht vorher im Gras steckte. In der Vergangenheit konzentrierte sich die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft auf die Minimierung der Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt. Was aber wenig beleuchtet und nur indirekt gefördert wurde, sind die wertvollen Inhaltsstoffe der Produkte.


Wir geben bald 90 Milliarden Schweizer Franken pro Jahr für die Krankheitskosten aus. Seit der Pandemie wissen wir, dass jede 4. Schweizerin und jeder 4. Schweizer eine Vorerkrankung hat. Würden wir es schaffen, dank wertvolleren Lebensmittel, die Krankheitskosten in der Schweiz um 10 % zu senken, könnten wir substanzielle Summen für die Erforschung und für den Anbau von wertvollen Lebensmittel investieren. Wir könnten zum Beispiel die Forschung mit 3 Milliarden und die Landwirtschaft mit 6 Milliarden unterstützen. Heute erhält die Schweizer Landwirtschaft Direktzahlungen in der Grössenordnung von rund 3 Milliarden Schweizer Franken.


Die Initiative «Nordic Health 2030» ein mögliches Vorbild

Erklärtes Ziel der Initiative ist es, eine Verschiebung der Kosten für Behandlung und Prävention zu erwirken. «Nordic Health 2030» will, dass die nordischen Länder fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Krankheitsbehandlung ausgeben, und fünf Prozent für Prävention. Aktuell liegen die Werte noch bei 9.8 Prozent bzw. 0.3 Prozent.


Ich bin mir bewusst, dass wir das System nicht unmittelbar auf den Kopf stellen können. Wir können aber mit ersten kleinen Schritten starten. Denn hinter jedem Franken Krankheitskosten steht ja auch Leid. Krank sein schmälert die Lebensqualität. Und Leid minimieren - für ein lebenswertes Leben - kann kein verkehrtes Ziel sein.


Nicht noch mehr Auflagen für die Landwirtschaft

Die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft mündete in vielen zusätzlichen Auflagen. Zurecht haben viele Landwirte das Gefühl, dass sie dadurch ihrer ohnehin begrenzten Wachstumschancen "beraubt" werden. Die Landwirtschaft der Zukunft muss massiv mehr Gelder erhalten, um die Innovationskraft des Landwirts zu stärken und gleichzeitig soll er wieder mehr unternehmerische Freiheit erhalten.


Wie soll das gehen?

Was gefördert werden muss sind explizit wertvolle Lebensmittel. Diese Denkweise verlangt von allen in der Wertschöpfungskette ein Umdenken. Vereinfacht ausgedrückt ginge es in Zukunft nicht mehr darum den Fett- und Eiweissgehalt der Milch zu bezahlen, sondern deren Gehalt an wertvollen Enzymen, Mineralstoffen und Vitaminen.


Im Wesentlichen geht es darum, ein «gläsernes» Produkt zu erhalten. Was früher undenkbar war, könnte heute dank leistungsfähigen Analyseverfahren und der Blockchain Technologie gelöst werden. Es ginge darum Auskunft darüber zu liefern, woher das Produkt stammt, welche wertvollen Inhaltsstoffe das Produkt besitzt und wie es um seinen CO2-Bilanz steht.


Die Landwirte könnten selbst ein solches Umdenken in Gang setzen. Weil die Landwirte im Besitz der massgeblichen Vermarktungsorganisationen sind. Bis es so weit ist, werden Jahrzehnte ins Land ziehen.

«Landparade» verfolgt das gleiche Ziel, wählt aber einen anderen und hoffentlich gangbaren Weg. «Landparade» sucht Landwirte und Verarbeiter, die dieses Denken «von der wertvollen Scholle zum wertvollen Produkt, zum gesunden Menschen» leben wollen. Ohne Label und ohne Kontrolle, sondern schlicht mit dem persönlichen Versprechen.


Wer soll das bezahlen?

Am Ende bezahlen drei die Rechnung. Die Natur, die Bürger oder die nächste Generation. Die Bürger in Form von Steuern, höheren Lebensmittelpreisen oder als Krankenkassenprämie. Oder aber die Bürger schieben es auf die Natur und auf die nächsten Generation ab. Bund und Kantone gehen voran und unterstützen nachhaltige und innovative Projekte.


«Landparade» hat eine Projektskizze beim Bund eingereicht und steht nun in der zweiten Phase, in der Phase der Vorabklärung. Überzeugt das verfeinerte Konzept und werden genügend Interessenten aus der Landwirtschaft gefunden, wird auch die dritte Phase, für die Detailabklärungen, mit grosser Wahrscheinlichkeit finanziert.


Interesse geweckt?

Wer sich der Initiative und dem Projekt «Landparade» anschliessen will, kommt an eine Informationsveranstaltung (siehe Veranstaltungen) oder meldet sich direkt bei mir. rene.ziswiler@landparade.ch

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